Mohn

30. Juni 2013
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Heil- und Nutzpflanzen

Schlafmohn (aus: O.W.Thom√©, Flora von Deutschland, √Ėsterreich und der Schweiz; 1885; Quelle: BioLib.de)

Schlafmohn (aus: O.W.Thom√©, Flora von Deutschland, √Ėsterreich und der Schweiz; 1885; Quelle: BioLib.de)

Mohnpflanzen geh√∂ren zu einer Pflanzengattung, die weltweit etwa 120 Arten hat. Sie alle enthalten mehr oder weniger giftige Alkaloide in ihrem wei√üen oder gelben Milchsaft. Hier geht es nun um den Schlafmohn. Er ist eine einj√§hrige krautige Pflanze, die 0,3 – 1,5 m hoch werden kann und in allen Teilen giftig ist – bis auf die Samen. Er stammt aus dem √∂stlichen Mittelmeerraum. Die kurzlebigen wei√üen bis violetten Bl√ľten erscheinen von Juni bis August, sie k√∂nnen bis 10 cm im Durchmesser haben. Die Staubf√§den sind gelb.

Die kugeligen Kapselfr√ľchte enthalten viele Samen, die urspr√ľnglich stahlblau sind – inzwischen gibt es aber auch grauen Mohn und wei√üliche Mohnsaat. Diese enthalten aber weniger √Ėl als der dunkle Mohn, sodass man sie zur Mehlherstellung verwendet.

Als Nutzpflanze ist Schlafmohn seit der Jungsteinzeit ab etwa 6000 v.Chr. arch√§ologisch nachgewiesen – mit Getreide ist also Mohn eine der √§ltesten Kulturpflanzen. Keilschriftzeugnisse der Sumerer beschreiben pharmazeutische Produkte aus Schlafmohn. Opium wurde von den √Ągyptern und den Bewohnern des √∂stlichen Mittelmeerraumes f√ľr religi√∂se und medizinische Zwecke verwendet. Mohnkapseln werden auf Abbildungen den G√∂ttern Morpheus, Thanatos und Nyx beigegeben und symbolisieren so den Traum, den Schlaf und den Tod. Der wissenschaftliche Beiname ‘somniferum’ ruft die schlaff√∂rdernde Eigenschaft des Mohns auch heute noch in Erinnerung. In der griechischen Antike wurden Kinder mit Mohn zur Ruhe gebracht. Im R√∂mischen Reich wurde Opium dann zu einer dekadenten Wohlstandsdroge.

Nur mit Opium aus dem Mohnsaft war in der Antike (und auch noch bis weit in die Neuzeit hinein) die Linderung starker Schmerzen m√∂glich und viele chirurgische Eingriffe f√ľr die Patienten erst ertr√§glich. Der Arzt Paracelsus erfand eine alkoholische Opiumtinktur, die er Laudanum nannte – und sie wurde noch bis in das 20. Jahrhundert hinein angewendet!

Mohnsaat ist ein Lebensmittel, das vor allem in S√ľ√üspeisen und Geb√§ck Verwendung findet, traditionell besonders in der Zeit der Jahreswende. Die Samen k√∂nnen f√ľr die √Ėlgewinnung auch gepre√üt werden. Sie enthalten enorm viel Calcium und sind reich an B-Vitaminen. Normalerweise ist der Gehalt an Morphin in der Mohnsaat gering, aber mit den modernen Diagnosemethoden nachweisbar. Wenn bei der Ernte “unsauber” gearbeitet wird, soda√ü Mohnkapseln gequetscht werden, dann tritt Milchsaft aus und kann in die Mohnsaat gelangen, die normalerweise frei ist von diesen Inhaltsstoffen.

Mohn enthält außer Morphin auch Codein und etliche andere wirksame Alkaloide. Nicht alle wirken schmerzlindernd. Manche helfen bei Husten und wieder andere bei Koliken und Krämpfen.

In Deutschland ist der Anbau von Schlafmohn grunds√§tzlich verboten; der T√ľrkische oder Gartenmohn dagegen ist gestattet, da er zwar Alkaloide enth√§lt, aber kein Opium. Der durch den Getreideanbau seit der Jungsteinzeit auch bei uns beheimatete Klatschmohn liefert bei der F√ľlle seiner eigenen Alkaloide auch nichts dergleichen. Man kann ihn zwar jung verzehren (als Spinat oder Salat, die Bl√ľtenbl√§tter als Schmuck im Salat), aber zuviel davon macht Bauchweh und f√ľhrt zu Kr√§mpfen und Erbrechen. Fr√ľher nahm man seine roten Bl√ľtenbl√§tter zur Herstellung roter Tinte.

Das fr√ľhe Christentum verstand Krankheit als Strafe Gottes und die damit verbundenen Schmerzen ebenfalls. Deswegen lehnte man eine Schmerzbehandlung ab. Folgerichtig erneuerte Karl der Gro√üe das alte Verbot von “Mohnsaft” gegen Schmerzen. Mit der arabischen Medizin kehrte das Wissen um die Wirksamkeit von Opium aber wieder nach Europa zur√ľck.

© Amhara zu Agorá

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