Steinklee

5. Juni 2016
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Heil- und Nutzpflanzen
Steinkleearten – es gibt etwa 25 von ihnen – kommen natürlicherweise in Europa, Afrika und bis Ostasien vor. Die meisten von ihnen gibt es vom Mittelmeer-Raum bis Zentralasien. Sie sind meist trockenheits- und salztolerant und gelten im Ackerbau als “Luzerne der Sandböden”. Reinen Sandboden aber mögen sie nicht.

Gelber Steinklee (Tafel aus: "Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz"; 1885: O.W.Thomé; Quelle: BioLib.de)

Gelber Steinklee (Tafel aus: “Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz”; 1885: O.W.Thomé; Quelle: BioLib.de)

Echter, Gelber oder Gewöhnlicher Steinklee
Der Echte Steinklee wird auch Honigklee genannt und ist eine Pflanzenart innerhalb der Hülsenfrüchtler. Wie die meisten von ihnen ist auch der Echte Steinklee eine Symbiose mit Bakterien eingegangen, die in Wurzelknöllchen bei ihm leben und atmosphärischen Stickstoff binden – der der Wirtspflanze dann als Nahrung zur Verfügung steht. Seine Pfahlwurzel reicht bis 90 cm tief in den Boden. Weil er Trockenheit verträgt und sonnige Standorte liebt, ist er dort eine Pionierpflanze. Er besiedelt Steinbrüche, Ufer, Erdanrisse, Schuttplätze – aber auch andere Wildkrautfluren.
Das zweijährige bis mehrjährige Kraut bildet mehrere verzweigte Stengel aus. Normalerweise erreicht es Wuchshöhen von 30 bis 100 cm – in Einzelfällen aber auch gigantische zwei Meter.
Die wechselständigen Blätter sind in drei Fiederblättchen aufgefiedert. Durch einen spezifischen Klappmechanismus legen sie sich abends zusammen und falten sich morgens wieder auf.
Von Mai bis September erscheinen die traubigen Blütenstände, die bis 10 cm lang werden können und aus bis zu 70 einzelnen Blüten bestehern. Wie bei allen Hülsenfrüchtlern (oder Leguminosen) sind dies die charakteristischen “Schmetterlingsblüten”, wie man sie auch bei Robinie, Goldregen oder Wicken findet. Beim Echten Steinklee sind sie durch Carotinoide gelb gefärbt; sie sind sehr nektarreich und duften. Bestäubt wird der Echte Steinklee vor allem von Bienen und Schwebfliegen.
Aus den bestäubten Blüten entwickelt sich eine zur Reifezeit braune und kahle “Schote”, die meist nur einen Samen enthält.
Echter Steinklee ist als Arzneimittel zugelassen und enthält Cumaringlykosisde, Flavonoide und Saponine. Man kann ihn sowohl innerlich wie äußerlich anwenden. Schon Dioskourides und Plinius rühmen seine Heilkraft. Sie verwenden ihn als zusammenziehendes und erweichendes Mittel bei Geschwülsten der Augen, des Afters und der Geschlechtsorgane. Innerlich setzen sie Steinklee nur gegen Magenschmerzen, Magengeschwüre, Gebärmutter- und Leberleiden ein. Zudem werden Heilöle mit Steinklee aromatisiert. Heutzutage unterstützt Steinklee, innerlich angewandt, die Behandlung einer chronischen Venenschwäche, aber auch von akuten Lymphstauungen oder akuten Thrombosen sowie akuten Hämorrhoidenanfällen. Äußerlich hilft er bei Blutergüssen, Zerrungen und Verstauchungen und fördert die Wundheilung.
Außer zur medizinischen Verwendung diente Steinklee unseren Vorfahren zur Parfümierung von Schnupftabak und zur Abwehr von Kleidermotten. Als Mottenschutzmittel legten die Hausfrauen früher das in getrocknetem Zustand stark duftende Kraut zwischen Kleider und Wäsche. Diese Verwendung führte zu den Namen Mottenklee, Modekrut und Schabenkraut.

Hoher Steinklee
Der Hohe Steinklee ist ein in Mitteleuropa vereinzelt vorkommender gelb blühender Verwandter des Echten Steinklees. Man kann ihn leicht mit diesem verwechseln – Blüten und Fruchthülsen sehen aber etwas verschieden aus. Seine kurzen “Schoten” tragen weiche, kurze Haare und enthalten meist zwei bis drei Samen.

Weißer Steinklee
Der Weiße Steinklee ist wie sein gelb blühender Verwandter ein mehrjähriges Kraut. Möglicherweise ist er erst ab dem 15. Jahrhundert – immer die Flußläufe entlang – nach Mitteleuropa eingewandert und stammt “eigentlich” aus einem Gebiet vom Mittelmeer über Südosteuropa bis nach Mittelasien. Selten wird er höher als 150 Zentimeter. Seine weißen Blütentrauben haben häufig 80 duftende Einzelblüten. Oft findet man Gelben und Weißen Steinklee beieinander, der Weiße Steinklee aber ist etwas anspruchsvoller: ohne eine Spur von Kalk im Boden wächst er nicht. Auch durch seine Hülsenfrüchte unterscheidet er sich von seinem gelbblühenden Verwandten: die Schote ist netzartig gerunzelt und enthält häufig zwei Samen. Seine Inhaltsstoffe sind dem des Gelben Steinklees so ähnlich, daß er sich ebenfalls für medizinische Anwendungen eignet.
Aber auch in der Küche kann man Steinklee gebrauchen – als Gewürz:
Seine würzig-aromatischen Blätter und Blüten verleihen Käse (vor allem in der Schweiz), Brot, Limonaden, Likören und Bowlen typische Farbe und Geschmack. Die frischen Blüten duften stark nach Honig, die Blätter schmecken bitter und scharf. Sobald sie welken oder getrocknet sind, verströmen sie, ebenso wie Waldmeister, einen feinen Duft, den das Cumarin bewirkt. Es ist in größeren Mengen leider gesundheitsgefährdend. Drei Gramm frisches Kraut pro 1 Liter Wein aber gelten – wie auch bei Waldmeister -  als unbedenklich.

Gelber und Weißer Steinklee sind auch in der Landwirtschaft von Bedeutung, besonders zur Gründüngung. Aber auch als Bienenweide und Futterpflanze (dann als Heu oder Silage) werden diese Leguminosen gebraucht. Durch sachgerechte Trocknung wird die im Steinklee enthaltenen Cumarin-Glykoside in Cumarin umgewandelt und das Heu duftet nach Waldmeister. In verdorbenem Heu und schlecht konservierter Silage kann sich das Cumarin in Dicumarol zersetzen, das die Blutgerinnung hemmt. Werden Rinder und andere Nutztiere damit (versehentlich) vergiftet, können sie an inneren Blutungen sterben. Zur Bekämpfung von Ratten ist dieser Effekt allerdings gewünscht.
Cumarin an sich ist aber auch schon “nicht ohne” – daher hat man für die Viehfütterung extra Cumarin-arme Sorten gezüchtet. So kann man im Kleeheu den Rauhfaseranteil erhöhen, was für die Ernährung der Tiere sehr günstig ist. Nicht nur Menschen benötigen Ballaststoffe in der Nahrung für eine gesunde Verdauung!

© Amhara zu Agorá

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