Otto der Erlauchte, Herzog von Sachsen

7. April 2013
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Man muß sehr zwischen den Zeilen lesen, um Informationen zu den “Großen” im Lande im ausgehenden 9. und beginnenden 10. Jahrhundert zu bekommen – die Quellenlage ist dünn.

Otto wird als jüngerer Sohn Graf Liudolfs und der Oda Billung ungefähr 835 geboren. Ab 880 ist er das Oberhaupt der Familie, nachdem sein Bruder Brun am 02.02.880 in der Normannenschlacht bei Hamburg gefallen war. Der jüngste Bruder Agius wird Mönch; Schwester Hathumod wird die erste Äbtissin des fürstlichen Familienstiftes Gandersheim, Schwester Gerberga nach deren Tod die zweite. In diesem Stift führten unverheiratete Töchter adliger sächsischer Familien ein gottgefälliges Leben, indem sie sich um die Memoria der Stifterfamilie kümmerten und die Töchter der Adelsfamilien ausbildeten.

Das Stammesgebiet der Sachsen liegt im heutigen Niedersachsen und umfaßte zu Ottos Zeiten das Gebiet zwischen Niederrhein (Hamaland) und Unterelbe. Im Osten folgte die Grenze dem Elblauf bis zum Zufluß der Saale. Südlich schlossen sich die Gebiete der Thüringer und Franken an. Im Westen grenzte Sachsen nicht an den Rhein, da Ober-Lothringen auch über das rechte Rheinufer gebot.

Heiliges Roemisches Reich um 1000 - Herzogtum Sachsen

Heiliges Roemisches Reich um 1000 – Herzogtum Sachsen
Aus “Allgemeiner historischer Handatlas” von 1886
Quelle: Wikipedia

Verheiratet ist Otto ab ~870 mit Hadwig von Babenberg, Tochter des dux Austrasiorum Heinrich, der 886 vor Paris gefallen ist. Ihre Mutter könnte mit König Karl III. le Simple verwandt gewesen sein. Hadwig stirbt am 24.12.903 und wird in derStiftskirche von Gandersheim beigesetzt. Ihre Brüder sind “die Babenberger”, die mit Konradinern und Arnulf von Kärnten im Streit liegen. Aus dieser Ehe gehen mindestens drei Söhne und drei Töchter hervor, von denen zwei Söhne (Liudof und Thankmar) bereits vor dem Vater gestorben sind – man weiß nicht, wann, wo und wie. Der überlebende Sohn ist Heinrich, später bekannt als “Heinrich der Vogler” und König des Ostfränkischen Reiches. Die wohl älteste Tochter Oda wird 897 mit Kaiser Arnulfs Friedelsohn Zwentibold, König von Lothringen, verheiratet, Tochter Irminburg wird einem Grafen Sigifrid zur Ehe gegeben, und Tochter Liutgard wird die 4. Äbtissin von Gandersheim. Von einer Friedeltochter unbekannten Namens wissen wir nur aus einer kurzen Notiz Widukinds von Corvey, daß sie mit einem Thüringer namens Wido verheiratet gewesen sei, der sich bei den Ungarnkämpfen im Jahre 932 hervorgetan haben muß.

Wohl 869 verlobt sich Ludwig der Jüngere, König von “Austrasien” (also dem östlichen Teil des Reiches von Karl dem Großen), mit Liutgard, der Schwester Bruns und Ottos. Beider Sohn Ludwig fällt 879 als Kleinkind aus einem Fenster der Königspfalz und bricht sich den Hals. Tochter Hildegard gerät in den Verdacht, an einem Komplott gegen Arnulf von Kärnten beteiligt zu sein, den sie andererseits am Beginn seiner Herrschaft gefördert haben soll, und wird im Jahre 895 in das  Damenstift Frauenwörth am Chiemsee verbannt. Der Vater starb schon am 20.01.882 in Frankfurt und die Mutter im November 885 in Aschaffenburg. – Die Königin wird in zeitgenössischen Quellen als durchsetzungsfähig und machtbewußt beschrieben. Die Karolinger bezeichnen Otto lediglich als ‘herausragenden Grafen’, nie als Herzog (‘dux’). Möglicherweise war ‘dux’ zu seiner Zeit auch noch weniger ein Titel und Adelsrang als eine militärische Funktion: der dux führt den Heerbann an.

In der Schlacht bei Andernach am 08.10.876 gegen Kaiser Karl den Kahlen stehen Otto und Brun ebenso wie die mit ihnen verschwägerten Babenberger an der Seite Ludwigs des Jüngeren. Karl der Kahle wird geschlagen und die Westgrenze des Ostfränkischen Reiches steht bis ins Spätmittelalter im Grunde fest.

Am 26. Januar 877 übergeben Brun und Otto das Haus- und Familienkloster Gandersheim auf dringenden Wunsch ihrer Schwester Hathumod an ihren Schwager König Ludwig III. und verschaffen ihm so Immunität und das Recht auf freie Äbtissinenwahl. Die Brüder sind zu diesem Zweck in die Königspfalz Frankfurt gereist.

Die 879 beginnenden Normannen-Einfälle können nur teilweise abgefangen werden. Zwar gelingt dem König ein Sieg gegen die Dänen 880 im Hennegau – aber sein einziger Sohn Hugo (zwar ein Friedelsohn, aber…) fällt. Wenig später erleidet das Aufgebot der Sachsen und Thüringer bei Hamburg eine verheerende Niederlage, bei der Ottos älterer Bruder Brun zu Tode kommt. Allerdings ist der Sieg auch für die Dänen so teuer, daß sie für etliche Jahre die Nordgrenze des Ostfränkischen Reiches und damit das Gebiet der Sachsen meiden. Dafür plündern sie im Jahre 881 rheinaufwärts die Pfalzen Köln und Aachen, Bonn, Mainz, Worms und Metz – die Aachener Pfalz geht in Flammen auf. 882 plündern sie Trier; der König ist im Januar gestorben und der Heerbann ist daher führerlos. Da die Nordmänner auf ihren Schiffen Pferde mitführen, können sie auch weit ins Land einfallen und nahezu schutzlose Klöster ausplündern – die Bauern sind nicht wehrhaft genug. Oftmals legen die Eindringlinge nach ihren Plünderungen Feuer, und was fliehende Mönche nicht in Sicherheit bringen konnten, verbrennt. Besonders betroffen sind die Bibliotheken – viel Wissen geht verloren… Erst 892 (nach der Niederlage gegen Arnulf von Kärnten bei Lüttich) löst sich das “Große Heer” der Nordmänner auf. Eine Hungersnot im Land und besser organisierter Widerstand in der Bevölkerung bedeuten weniger Beute bei höherem Risiko – das vermeiden die Nordmänner wohlweislich.

887 wird Kaiser Karl III. abgesetzt und die Erhebung von Arnulf zum König von den Sachsen und Thüringern befördert; Arnulf läßt in der Folge den Sachsen fast völlig freie Hand. Bei den militärischen Konflikten mit den slawischen Daleminziern, die im Raum um Meißen ansässig waren, hat fast immer Otto das Kommando.

888 ist Otto Graf im Südthüringengau und im Eichsfeld, für die Genehmigung eines Gebietstauschs mit dem Kloster Corvey begibt sich Otto im Frühsommer 888 zu Arnulf in die Königspfalz Frankfurt.

894 begleitet er König Arnulf nach Italien; als dieser nach Rom weiterzieht, betraut er den Sachsenfürsten mit der Verteidigung Mailands.

Im Frühsommer des Jahres 898 hält sich Otto eine Zeit lang bei seinem Schwiegersohn Zwentibold, König von Lothringen, auf. Im Verlauf des Fürstentages zu Aachen gewährt Zwentibold am 11. Mai 898 dem Kloster Werden an der Ruhr Immunität und Befreiung von Zöllen. Otto  seinerseits tauscht die Eigenkirche der Familie in Herzfeld samt vielen Besitzungen mit Besitzungen dieses Klosters, sodaß die pastorale Versorgung der Ida-Kirche gesichert ist. Wenig später sind sie im Damenstift Essen, das von einer sächsischen Adelsfamilie um den Hildesheimer Bischof Altfried ungefähr vierzig Jahre zuvor gegründet worden ist. Mit der zweiten Äbtissin von Essen ist die Gründerfamilie aber vermutlich bereits ausgestorben und Ottos Familie möchte in die Nachfolge eintreten. Sowohl Zwentibolds Frau Oda als auch sein Schwiegervater Otto intervenieren für das Stift, d.h. sie erbitten die Übertragung von Besitzungen auf dieses Kloster, um dessen Einnahmen zu mehren.

Im Jahre 892  nimmt Arnulf von Kärnten dem Babenberger Poppo das Amt und die Würde eines Markgrafen von Thüringen und überträgt sie dem fränkischen Adligen Konrad dem Älteren. Poppo ist der Onkel von Ottos Ehefrau Hadwig und Oberhaupt der Sippe – mit diesem Akt bringt Arnulf also gleich drei wichtige Familien des Reiches gegeneinander auf. Die “Babenberger Fehde” wird aber erst zehn Jahre später richtig ausbrechen und viel sinnloses Blutvergießen fordern. Auch die Distanz zum Königshaus vergrößert sich: Ottos Schwiegersohn Zwentibold verliert seine königliche Stellung in Lothringen und fällt im August 900, und Otto wird, obwohl unter Arnulf von Kärnten noch hoch geschätzt, nach dem Tode dieses Kaisers am 08.12.899 nicht in die Regentenschar für Ludwig das Kind eingebunden. Hier haben Hatto von Mainz, Salomo von Konstanz und die Konradiner  eher mehr als weniger das Sagen.

Von 902 bis zu seinem Tode ist Otto der Laienabt des reichen Klosters Hersfeld, er kann also über die Einkünfte frei verfügen.

906 brechen die Ungarn zwei Mal hintereinander in Sachsen ein – diese Überfälle sollen die Daleminzier veranlaßt haben, um sich selber Luft zu verschaffen. 908 ist ein erneuter Ungarneinfall zu beklagen; sie siegen über ein Heer aus Franken und Thüringern, Markgraf Burchard fällt (03.08.908). Anschließend gliedert Otto das gesamte Territorium Thüringens kurzerhand an Sachsen an – gegen Hatto von Mainz und die Konradiner. Er fragt gar nicht erst am königlichen Hof um Erlaubnis nach. Der Kontakt dort hin ist lose. Nur drei Mal wird er in Diplomen der königlichen Kanzlei als Intervenient genannt. Als Ludwig das Kind mit gerade einmal achtzehn Jahren im September des Jahres 911 stirbt und keine Erben hinterläßt, gibt es keine Karolinger mehr im Ostfränkischen Reich. So soll auch Otto gefragt worden sein, ob er die Krone annehmen würde, doch mit Hinweis auf sein hohes Alter habe er abgelehnt – so Widukind von Corvey – und den Respekt der Großen und die höchste Autorität im Reich behalten.

Am 30.11.912 ist Otto der Erlauchte in Wallhausen im Südharz gestorben und wurde in der Kirche des Familienstiftes Gandersheim bestattet.

© Amhara zu Agorá

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