Haferwurzel

7. Februar 2016
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Heil- und Nutzpflanzen

Haferwurzel (Tafel aus "Bilder ur Nordens Flora"; 1917-1926; C.A.M.Lindman; Quelle: fr.wikipedia.org)

Haferwurzel (Tafel aus “Bilder ur Nordens Flora”; 1917-1926; C.A.M.Lindman; Quelle: fr.wikipedia.org)

Die Haferwurzel, auch Habermark, Purpur-Bocksbart oder Austernpflanze genannt, ist eine “alte”  Nutzpflanze aus der Familie der Korbblütler. Sie kommt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, wo sie seit der Antike als Gemüse verwendet wurde. Die Wildform kommt noch immer dort vor. Die Kulturform wird in Mitteleuropa angebaut und verwildert nur sehr selten.
Die Haferwurzel ist direkt mit der Schwarzwurzel verwandt und – etwas entfernter – mit Wegwarte und Chicoree. Aber auch die Löwenzähne gehören in die Familie.
Die zweijährige Pflanze bildet eine bis zu 30 Zentimeter lange Pfahlwurzel. Der oberirdische Teil wird 60 bis 120 Zentimeter hoch. Die schmalen Blätter erinnern mich an die Blätter der Nelke; sie stehen wechselständig zweizeilig am Stiel und bilden am Grund eine Rosette. Die Stengel tragen meist mehrere Blütenkörbe. Diese sind gegen die Blüte zu trichterförmig verdickt. Meist überragen die Hüllblätter die purpurlila gefärbten “Blütenblätter”. Blütezeit ist Juni und Juli. Der Blütenflor ist hübsch und duftet.  Die Früchte hängen an Schirmchen, wie wir sie vom Löwenzahn kennen.
Obwohl die Haferwurzel vorwiegend als Wurzelgemüse verwendet wird,  lassen sich auch die Blätter und jungen Blütenstengel als Salat oder Spinat zubereiten. Die süßlich schmeckende, milchhaltige Wurzel erinnert manche im Geschmack an Austern (daher der englische Name Oyster Plant). Weil sie sehr nahrhaft ist, findet ein alemannisches Sprichwort: “Habermark macht d’ Bube stark”. Im Gegensatz zur Schwarzwurzel muß man die Haferwurzel vor dem Kochen nicht schälen – gründliches Abbürsten genügt. Sie färbt auch nicht schwarz, sondern rötlich, was sich aber leichter mit Essigwasser abwaschen läßt als die Verfärbung der Schwarzwurzel.
Die Pfahlwurzeln werden im Herbst des ersten Jahres geerntet und können über den Winter eingemietet werden. Da die Pflanze aber völlig frosthart ist, kann man die Wurzeln auch im Boden lassen und erst bei Bedarf ernten. Erst mit dem Blütenansatz werden die Speicherorgane holzig. Als Speicherstoff lagert die Haferwurzel nicht Stärke ein, sondern Inulin, das für Diabetiker sehr vorteilhaft ist. Weil Menschen nicht über das Enzym verfügen, mit dem Inulin aufgespalten wird, gelangt es auch nicht direkt in den menschlichen (Zucker-)Stoffwechsel. Stattdessen wird es von unseren Darmbakterien verarbeitet und manche sehr empfindliche Leute reagieren auf deren Tätigkeit mit Blähungen. Die Vorteile dürften aber diesen “Nachteil” überwiegen.

© Amhara zu Agora

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