Faszination Mittelalter

29. Dezember 2013
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Bereits vor langer Zeit waren die Menschen fasziniert von der Vergangenheit. Wissenschaftler oder einfach interessierte Menschen beschäftigten sich mit längst vergangenen Zeiten; so auch mit dem Mittelalter.

Heidelberg, Stadtarchiv, STAHD H Nr. 106  Jost Pirckhammer   Heidelberger Turnierbuch    Heidelberg (?), 1886    Seite: 7r  Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg  Lizenz: <a title="Creative Commons-Lizenz cc-BY-NC-SA" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" target="_blank">Creative Commons-Lizenz cc-BY-NC-SA</a>

Heidelberg, Stadtarchiv, STAHD H Nr. 106
Jost Pirckhammer
Heidelberger Turnierbuch
Heidelberg (?), 1886
Seite: 7r
Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg
Lizenz: Creative Commons-Lizenz cc-BY-NC-SA

Und wie immer war es so, dass Schriften und sonstiges Erbe aus dem Mittelalter ein teures und begehrtes Handelsgut waren. Und wo Bedarf nach raren Originalen bestand, gab es schon immer „kreative Zeitgenossen“, die alte Originale neu zu erschaffen vermochten.

So erwarb Albert Mays, der Begründer der Heidelberger städtischen Altertümersammlung, im August 1868 in London das „Heidelberger Turnierbuch des Jost Pirckhammer von 1486“. Vermutlich gab er für dieses Werk eine erhebliche Summe her.

Der Pfarrer Hermann Wirth schrieb 1868 in seinem „Archiv zur Geschichte der Stadt Heidelberg“ über das Heidelberger Turnier und bezog sich

Heidelberg, Stadtarchiv, STAHD H Nr. 106  Jost Pirckhammer   Heidelberger Turnierbuch    Heidelberg (?), 1886    Seite: 10r  Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg  Lizenz: <a title="Creative Commons-Lizenz cc-BY-NC-SA" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" target="_blank">Creative Commons-Lizenz cc-BY-NC-SA</a>

Heidelberg, Stadtarchiv, STAHD H Nr. 106
Jost Pirckhammer
Heidelberger Turnierbuch
Heidelberg (?), 1886
Seite: 10r
Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg
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dabei unter anderem auf das Werk von 1486.

Zunächst Marc Rosenberg (1882) und dann der Berliner Verein “Herold” (1895) entlarvten das Werk als Fälschung.  Das Untersuchungsergebnis des Vereins veröffentlichte der Heraldiker Theodor Wickens im Jahre 1900 unter dem Titel „Das “Heidelberger Thurnierbuch und Ordnung des Jost Pirckhammer” von 1486 eine Fälschung“.

Der Fälscher soll das Werk um das Jahr 1840 erstellt und für die Herstellung Pergament aus dem 18. Jahrhundert wiederverwendet haben. Als Textvorlage dürfte das Turnierbuch des Herolds Georg Rüxner aus dem Jahre 1530 gedient haben.

Obwohl bereits im Jahre 1900 von Theodor Wickens eindeutig und ausführlich als Fälschung entlarvt, wird das „Heidelberger Turnierbuch des Jost Pirckhammer von 1486“ noch bis in die heutige Zeit immer wieder als authentische Quelle herangezogen.

Das falsche „mittelalterliche“ Werk ist mit seinen wunderschönen Illustrationen heute in digitaler Form online in der Universitätsbibliothek Heidelberg zu bestaunen.

Heidelberg, Stadtarchiv, STAHD H Nr. 106  Jost Pirckhammer   Heidelberger Turnierbuch    Heidelberg (?), 1886    Seite: 15r  Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg  Lizenz: <a title="Creative Commons-Lizenz cc-BY-NC-SA" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" target="_blank">Creative Commons-Lizenz cc-BY-NC-SA</a>

Heidelberg, Stadtarchiv, STAHD H Nr. 106
Jost Pirckhammer
Heidelberger Turnierbuch
Heidelberg (?), 1886
Seite: 15r
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