Reiter aus dem Osten

12. August 2012
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Krieger des Reitervolkes der Magyaren erscheinen erstmals 892-894 in den Chroniken als Unterstützer für Kaiser Arnulf. Nach ihrem Zug über die Karpaten begannen 899 ihre Beutezüge in den Westen, und die Serie wollte kein Ende nehmen. Meist wurden die Verluste der Magyaren durch die Beute an Gütern und Menschen, die sie wegschleppten, mehr als aufgewogen. Besonders heimgesucht wurden im Ostfränkischen Reich die Herzogtümer der Baiern, Schwaben und Sachsen, doch auch im Elsaß und in Lothringen tauchten die asiatischen Reiter auf.

Zoltán, Árpáds jüngster Sohn, war Großfürst der Magyaren etwa von 933 – 946. Er hatte 904 eine mährische Fürstentochter geheiratet und wurde 906 der erste ungarische Statthalter in Mähren. Herzog Heinrich von Sachsen, später König Heinrich I., gelang es beim Einfall der Magyaren nach Sachsen um 924, bei Werla an der Oker einen wichtigen Magyarenfürsten gefangen zu nehmen. Nirgendwo in den Chroniken wird sein Name genannt, aber man nimmt an, daß es sich um Zoltán gehandelt haben müsse. Der Gefangene besaß einen so hohen Rang, daß die Unterhändler der Magyaren in keiner Phase der langwierigen Verhandlungen die Gespräche abbrachen. Für die Freilassung ihres Fürsten sicherten die Magyaren den Sachsen für neun Jahre Frieden zu. Diesen Vertrag haben sie auch gehalten, stattdessen raubten sie wieder die Baiern und Alemannen aus – Augburg konnte sich knapp halten, aber St. Gallen wurde geplündert. Der Baiernherzog mußte die Gefahr mit Tributleistungen abwehren.

Magyaren verfolgen Bulgaren

Magyaren verfolgen Heer des bulgarischen Zaren Simeon (Skylitzes Matritensis, 12. Jhdt.; Quelle: Wikipedia)

Fajsz, Sohn von Árpáds viertem Sohn Jutas, war von 948 – 955 Großfürst der Magyaren. Zu Beginn seiner Herschaft unterwarf Otto I. den böhmischen Herzog Boleslav I. und machte sich damit das Herzogtum Böhmen tributpflichtig. Dadurch verloren die Magyaren die Möglichkeit, ungehindert nach Baiern, Rheinfranken und ins Westfrankenreich auf Raubzüge zu gehen. Obendrein hatte der verwitwete Sachsenfürst 951 die verwitwete Königin von Italien, Adelheid, geheiratet, deren Schwiegervater Hugo von Arles den Magyaren ebenfalls den Durchzug durch seine Gebiete gestattet hatte. Die nun nur noch eintröpfelnden Tribute aus Bulgarien und Byzanz deckten die materiellen Bedürfnisse des Kriegeradels nicht mehr ab. Angesichts diese Veränderungen entsandte Großfürst Fajsz bereits 948 eine Delegation nach Byzanz, um einen Friedensvertrag abzuschließen. Kaiser Konstantin VII. Porphyrogennetos ging gerne auf dieses Angebot ein, da er Verbündete gegen das Bulgarenreich brauchte. Da Herzog Heinrich von Baiern, Bruder des Sachsenkönigs Otto I., erfolgreich öfters nach Westungarn einfiel, mußte Fajsz den auf fünf Jahre geschlossenen Friedensvertrag mit Byzanz im Jahre 953 erneuern. Die parallel zu diesen Verhandlungen stattfindenden Taufen der hochrangigen Verhandlungsführer haben aber nicht zu einer grundlegenden Umorientierung im moralischen Kodex der Magyaren geführt. Sie blieben weiterhin beutelüsterne Reiterkrieger. Der Aufstand Liudolfs, Ottos I. ältestem Sohn, der zeitgleich mit den Verhandlungen zwischen Magyaren und Byzanz ausbrach, schien den magyarischen Edlen die Möglichkeit zu geben, sich aus einer zu starken Bindung an Ostrom zu lösen und den Nachbarn im Westen zu schwächen. Bairische Adlige leiteten das Magyarenheer durch ihr Herzogtum bis nach Frankreich! Ihren Rückweg nahmen sie über Norditalien und Kroatien. Von der Gesandtschaft, die Fajsz im Jahre 955 zu Otto I. schickte, um Verträge zu erneuern, nahmen die Sachsen sicher an, daß sie Spione seien. Die Magyaren wollten erkunden, wie stabil die Lage im Westen nach der Niederschlagung des Liudolfinischen Aufstandes sei. Kaum waren sie ohne Verträge abgereist, begann ein erneuter Einfall der Reiterkrieger. Er fiel in der Schlacht auf dem Lechfeld 955 für die Magyaren katastrophal aus. Fajsz wurde persönlich für die Niederlage verantwortlich gemacht und als Großfürst entmachtet. Statt seiner wurde Taksony, Zoltáns Sohn, als Großfürst eingesetzt. Die “Schuldigen” an der Niederlage wurden samt ihren Familien und Gefolgschaften von jeder politischen Macht verdrängt. Über ihr Schicksal schweigen die Quellen. Maßgeblich in der Folgezeit waren nur noch die Familien von Árpáds Söhnen Tarhos und besonders Zoltán.

Lél wurde etwa 920 geboren und war Führer eines Stammes der Magyaren. Er machte das Fürstentum von Neutra zu seinem Herrschaftsbereich. Im Wesentlichen umfaßte dieses Fürstentum die heutige Slowakei mit einigen angrenzenden Gebieten im Süden und Osten. Lél gehörte zu den magyarischen Fürsten, die bei der Schlacht auf dem Lechfeld 955 vernichtend geschlagen wurden. Die böhmischen Kämpen, die auf ostfränkischer Seite den Troß begleiteten und beschützten, konnten Lél gefangen nehmen. Er wurde mit anderen Gefangenen nach Regensburg gebracht und dort exekutiert, sein Fürstentum fiel an die Árpáden. Vermutlich war es Zoltán, der ihn als Fürst von Neutra beerbte. Von 971 – 995 war Taksonys jüngerer Sohn Michael Lehnsfürst von Neutra, der mit großem diplomatischen Geschick den ungarischen Einfluß in große Teile der Slowakei ausweiten konnte.

Taksony, Sohn von Árpáds jüngstem Sohn Zoltán, war Großfürst der Magyaren von 955 – 971 und ist bald nach Übergang der Herrscherwürde auf seinen Sohn Géza gestorben. Noch als Prinz wurde er 947 mit einem Heer zur Unterstützung der Könige Hugo von Arles und Lothar II. nach Pavia gesandt, um gegen eine byzantinische Streitmacht in Apulien einzugreifen und zugleich den italienischen Tribut an die Magyaren abzuholen. Nach der Niederlage auf dem Lechfeld und der Absetzung seines Cousins Fajsz als Großfürst wurde Taksony vom magyarischen Kriegeradel in dieses Amt gewählt. Er schloß mit fast allen Gegnern Frieden: die bairische Awarenmark mußte er zurückgeben und die Unterstützung der bairischen Rebellion gegen Otto I. beenden. Ähnliche Übereinkünfte schloß er mit den Fürsten der Böhmen, Bulgaren, Petschenegen und der Kiewer Rus.
Möglicherweise war er mit einer petschenegischen Prinzessin verheiratet.
Durch die Niederlage auf dem Lechfeld hatten die Stammesfürsten der ursprünglich sieben magyarischen Stämme erheblich an Macht verloren. Taksony konnte die traditionelle Stammesordnung schwächen und sich gegenüber den anderen Stammesfürsten in eine bessere Position bringen.
Als der byzantinische Kaiser Konstantin VII. den Tribut verweigerte, schickte Taksony vergeblich eine Streitmacht gegen Konstantinopel. Zum Ende seiner Herrschaft hin war er mit Swjatoslaw I. von Kiew verbündet. Der gemeinsame Kriegszug gegen Byzanz endete mit der Schlacht von Arkadiopolis 970 in einer Niederlage.

© Amhara zu Agorá

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