Kleider machen Leute

27. Mai 2012
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In einer nicht allzu kleinen Stadt waren lange Zeit die Zimmerleute und Maurer unterwegs. Immerzu scholl ein Hämmern durch die Stadt. Da die Bewohner von den Einnahmen dieser Bautätigkeit profitierten beschwerte sich auch lange Zeit keiner. Aber auch die stärksten Nerven gehen einmal zu ende und so wurde immer mehr Unmut laut.

„Hast du gehört? Unser Oberster hat schon wieder ein neues Bauprojekt an Land gezogen. Ich halt’s nicht aus. Das bedeutet sicher wieder drei Monate Gehämmer, Staub und Dreck. Meine Frau dreht auch langsam durch. Bevor ich ins Haus rein darf muss ich erst die Schuhe ausziehen und alle meine Kleider ausbürsten. Hoffentlich hat das bald mal ein Ende.“

 „Das ist noch gar nichts. Mein Weib hat letzte Woche doch mein ganzes Werkzeug versteckt. Sie war nicht bereit es wieder raus zu rücken. Ich musste mir dann von einem Kollegen welches borgen, sonst hätte ich nicht arbeiten können. Da wäre das Geschrei aber auch groß gewesen, wenn ich keine Taler nach hause gebracht hätte.“

 Nun war das Stadtoberhaupt nicht dumm. Auch er vernahm die Unzufriedenheit. Auch ihm war das Ganze seit einiger Zeit durch den Kopf gegangen, wie lange er noch mit den Bauarbeiten fortfahren sollte. Da traf es sich gut, dass in diesen Tagen ein Schneidermeister in der Stadt Rast machte. Er hatte einen sehr guten Ruf Land auf und Land ab. Und so wurde er ins Rathaus geben um dort über seine Künste Auskunft zu geben.

Schneider

Schneider um 1446 - Nürnberger Hausbücher - Amb. 317.2° Folio 67 verso (Mendel I) (Quelle: Quelle: http://www.nuernberger-hausbuecher.de)

 „Ihr könnt Tuch, Schuhe, Gewänder und Kleidung machen. Ich könnte die Arbeiter lehren auf was sie achten müssen.“ Das Stadtoberhaupt war begeistert. Endlich hatte er für seine Bürger eine Arbeit gefunden, die alle zufrieden stellen sollte. Eilends machte er sich daran Pläne zu schmieden.

Als erstes musste die Entscheidung gefällt werden was er nun herstellen wollte. Schnell war klar Kleidung sollte es sein. Er wollte die beste Kleidung im Lande herstellen. Dafür brauchte er nun Bauernhöfe und Viehzuchten. Auch Manufakturen und Webereien waren von Nöten. Und spätestens wenn die erste fertige Kollektion im Lager wäre sollten auch die Tuchhändler in der Stadt ihre Märkte eröffnen.

„Habt ihr schon gehört? Wir werden nun Kleidung herstellen.“ Die Neuigkeit verbreitete sich schnell. „Meine Frau ist ganz begeistert. Sie ist gar nicht davon abzubringen eines der ersten Kleider zu erstehen.“ So stieg die Stimmung in der Stadt. Heute wird dort bereits feine Kleidung hergestellt. Und die örtliche Zeitung schreibt zu ihrem Stadtoberhaupt „Kleider machen Leute“

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